Der Kaffee und wie er zu uns gelangte

 
Auf die Bohne gekommen

„Einen kleinen Braunen und eine Melange, Herr Ober!“ Eine alltägliche Bestellung, wie man sie in jedem Wiener Kaffeehaus immer wieder hört. Die Espressomaschine dampft und zischt, der Ober kommt und serviert.

Man trinkt genüßlich den heißen Kaffee, lehnt sich zurück, plaudert, liest Zeitung. Der Kaffee gehört dazu. Kaffee ist Bestandteil des täglichen Lebens. Mehr als jedes andere Getränk. Ob im orientalischen Basar, im Flughafenrestaurant einer amerikanischen Kleinstadt, in einer Cafeteria in Rio de Janeiro. Im berühmten Florian in Venedig, in einem Hotel in Kairo – Kaffee trinkt man überall.

Jährlich werden auf der Welt mehr als 700 Milliarden Schalen Kaffee getrunken, werden dreieinhalb Millionen Tonnen Kaffeebohnen geerntet, geröstet und dann gemahlen.

Das teuflische Getränk, von manchen verdammt, von anderen heiß geliebt, hat seinen Siegeszug um die Welt längst angetreten. Dabei ist Kaffee ein relative junges Getränk – anders als Wein, Bier oder Tee. Im 14. Oder 15. Jahrhundert wurde zum ersten Mal Kaffee getrunken: in Jemen und Abessinien, der Heimat der Kaffeebohne. Der Legende nach war die „erste“ Kaffeehausstadt „Mocha“, eine Hafenstadt. Nach diesem „Mocha“ ist auch unser Mocca benannt. Mit der Ausbreitung des Islam, den Eroberungszügen der Türken, verbreitete sich auch die Kunst des Kaffeekochens und-genießens.

In Mekka, der heiligen Stadt des Islam, gab es bereits Ende des 15. Jahrhunderts mehrere Kaffeezelte, und um die Mitte des 16. Jahrhundert entstand das erste Kaffeehaus auf europäischen Boden: in Konstantinopel, der Stadt am Goldenen Horn.

Von da an ging`s bergauf: In Italien, Frankreich und schließlich auch in Österreich setzte sich „das Kaffeetrinken“ durch.

Wie der Mensch auf den Kaffee, respektive auf die Bohne kam, weiß man heute nicht so genau. Ähnlich wie die Einführung des Kaffees in Wien eine Legende ist, ist auch de „Entdeckung der Bohne“ ein Märchen. Nicht die Menschen selbst sind auf den Kaffeestrauch aufmerksam geworden, sondern Ziegen. Arabische Hirten, so erzählt man, sei es einst aufgefallen, daß die Ziegen, die von den Früchten des Kaffeestrauches aßen, ganz besonders lebendig und frisch waren und in der Nacht einfach nicht schlafen wollten – zum Ärger der Hirten, die selbst eine ruhige Nacht verbringen wollten. Also kosteten die Hirten selbst von dem Strauch – und siehe da: Die grünen Bohnen taten außerordentliche Wirkung.

Heute noch streiten Forscher und Gelehrte, ob die Heimat des Kaffees Abessinien in Afrika oder Jemen auf der arabischen Halbinsel ist. Das ist – beim Barte des Propheten – auch gleichgültig.

Die ersten Kaffeetrinker waren jedenfalls die arabischen Mohammedaner. Und die vielen Pilger, die nach Mekka zogen, brachten von dort die Bohnen mit in ihre Heimatstädte.

Die Engländer, Portugiesen und Niederländer – beide große Seefahrernationen, brachten den Kaffee dann auch in ihre Provinzen: nach Süd- und Nordamerika, nach Indien, Java und Australien. In New York wurde etwa 1696 schon das erste Kaffeehaus eröffnet, und in Sào Paulo in Brasilien gab es nachweislich 1722 schon die erste Kaffeeplantage.

Heute kommt der Kaffee, respektive die Bohnen, weder aus Abessinien noch aus Jemen. Den Löwenanteil halten Südamerika und Afrika, und hier wiederum Brasilien, Kolumbien, Guatemala sowie Kenia und Java.

Allein Brasilien liefert pro Jahr eineinhalb Tonnen Kaffee, das ist fast die Hälfte der Weltproduktion. Dahinter folgen Kolumbien, Mexiko und verschiedenen afrikanische Länder.

Dabei ist Kaffee nicht gleich Kaffee. In jedem Land herrschen andere klimatische Bedingungen, in jedem Land wird der Kaffee anders geröstet. Es gibt mindestens so viele Röstungsarten und Mischungen, wie es Kaffeesorten gibt.

Das Mischen ist eine spezielle Kunst. Denn normalerweise besteht der Kaffee, den wir zu Hause genießen, nicht aus einer Sorte, sondern aus mehreren. Die Mischungen sind vielfältig. Fast jeder Kaffeeimporteur hat seine Haus- und Spezialrezepte, die er nur ungern verrät.

Schließlich muß man ja auch auf die Trinkgewohnheiten der Konsumenten Rücksicht nehmen. Die Italiener trinken in der Regel stärkeren Kaffee als die Deutschen oder die Schweizer.

Nach der Mischung wird der Kaffee erst geröstet. Und auch das ist eine heikle Prozedur. Aus Grün wird Braun oder Schwarz, je nach Röstung oder Beschaffenheit der Bohnen. Bei der Röstung verlieren die grünen Bohnen etwa 18 Prozent ihres Gewichtes.

Und jetzt erst wird der Kaffee ausgeliefert – an die Kaffeehäuser und verschiedenen Kunden. Wobei anzumerken ist, daß frisch gerösteter Kaffee so schnell wie möglich verbraucht werden sollte, sonst verliert er nämlich sein Aroma.

Und was ist besser als ein herrlich duftender, frisch gerösteter Kaffee! – Ein Gedicht.

 

Das Kaffeehaus

 
Renaissance einer Institution
Mag. Arch. Joerg Nairz

Das Kaffeehaus feierte 1983 sein 300jähriges Bestehen. Anläßlich dieses Jubiläum wurden neben anderen Aktivitäten einige Kaffeehäuser renoviert bzw. neu gestaltet.

 Das Wiener Kaffeehaus ist ein eigener Begriff und eine besondere Erscheinung im Kulturleben dieser Stadt. Als wichtiger Bestandteil der Wiener Kulturgeschichte hat das Kaffeehaus seine eigene Vergangenheit mit eigenem Legenden und Anekdoten (Kolschitzky, Cafè Griensteidl, Cafè Central), es ist jedoch keine rein historische Erscheinung.

Seine Funktion in der Gesellschaft ist zwar nicht mehr so ausgeprägt wie früher, sie ehemalige Creme der Kaffeehausgäste, die intellektuellen Menschen, sind heute oft zu beschäftigt und daher meist nur mehr potentiell Kaffeehausgäste.

Das Kaffeehaus lebt jedoch nach wie vor von seinen Stammgästen, seinen altgedienten Obern, seinen jeweiligen Besonderheiten und Traditionen. Früher lebte ein großer Teil der Künstler und Intellektuellen sprichwörtliche im Kaffeehaus, man schrieb dort, empfing, diskutierte, telephonierte, las Zeitung oder hinterließ Nachrichten für andere. In Kürschners Literaturkalender war Peter Altenbergs Adresse mit Cafè Central, Wien I, angegeben.

Anfang dieses Jahrhunderts war in Wien das Kaffeehaus sicher der Nabel der Literaturwelt. Vom Kaffeehaus nahmen aber auch neue Richtungen der Malerei, der Musik und der Architektur ihren Ausgang.

Das europäische Kaffeehaus entstand nicht in Wien. Es gab bereits um die Mitte des 17. Jahrhunderts in Venedig, Oxford, London, Paris oder Amsterdam Kaffeehäuser. In Wien entstanden die ersten Kaffeehäuser erst nach der Türkenbelagerung von 1683.

Die ersten Kaffeehäuser waren, soweit heute bekannt, meist in Gewölben oder kioskartigen Gebäuden untergebracht. Sie waren durchwegs sehr einfach eingerichtet und die Besitzer wechselten auch sehr oft die Lokalitäten, was auf eine nicht allzu große Investitionen schließen läßt.

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde dann auch auf die Ausgestaltung mehr Wert gelegt, und so entstanden vornehmlich an der Schlagbrücke, der heutigen Schwedenbrücke, einige bestausgestattete Kaffeehäuser, wie z. B. das Jüngling oder das Wagner.

So war es nur natürlich, daß sich auch die bedeutenden Architekten dieser Zeit mit dem Kaffeehaus beschäftigt haben.

Im Jahre 1819 schuf der Wiener Architekt Josef Kornhäusl das berühmte Kaffeehaus des Ignaz Wagner an der Schlagbrücken, welches auch einen ersten Stock aufwies und alles Bisherige in den Schatten stellte.

1932 gestaltete Josef Kornhäusl noch ein weiteres Kaffeehaus für Karl Petter in der Nähe des Theaters an der Wien.

Im Jahre 1822 wurde nach den Plänen von Architekt Peter Nobile, dem Schöpfer des Burgtores, das Volksgartencafè des Peter Corti errichtet. Dieses Kaffeehaus in seiner rein klassizistischen Gestaltung wurde zu einem Mittelpunkt der Wiener Gesellschaft und ist durch Gartenkonzerte und Uraufführungen mit der Musikgeschichte eng verbunden.

Um 1850 veränderte sich das Kaffeehaus. Es bekam eine neue Größenordnung und Gestalt und auch eine neue Atmosphäre.

Als Folge der fortschreitenden Veränderung Wiens hin zur Großstadt und europäischen Metropole entstanden repräsentative Großstadtcafès meist im Stile des Historismus, mir einem nicht zu übersehenden Hang zum Mondänen und zur Repräsentation. In der Zeit einer explosionsartig zunehmender Bevölkerungszahl Wiens und einer damit verbundenen Wohnungsnot entwickelt sich das Kaffeehaus zunehmend zum Wohnraum des gebildeten Bürgertums. Im Kaffeehaus wohnte man, zu Hause schlief man. Da die Kaffeehäuser in dieser Zeit meist nach dem neuesten Zeitgeschmack eingerichtet waren und die Repräsentations- und Dekorationsformen hauptsächlich aus den Salons des Adels und der Reichen stammten, konnten auch Ärmere an der jeweiligen Mode teilhaben.

An diesem Typ orientiert sich im wesentlichen das Wiener Kaffeehaus bis heute.

Wo möglich, erstreckte sich das Kaffeehaus über 2 Straßenfronten und der Eingang lag meistens an der –ecke, um so von mehreren Straßen eingesehen werden zu können.

Auch auf die schöne Aussicht wurde oft speziell Wert gelegt.

Man betrat das Kaffeehaus meist über einen Windfang und sah sich üblicherweise einer Sitzkassa gegenüber. Durch die Sitzkassa wurde der meist ums Eck gehend Raum in einem Flügel zum Sitzen und einen Flügel zum Spielen (Billard) geeilt. Typisch für das Kaffeehaus ist auch die Aufstellung der Sitzbänke quer zur Fensterfront., so entstanden Sitzlogen in den Fenstern, aus denen der Gast die Vorgänge im Inneren des Kaffeehauses sowie auch außen auf der Staße beobachten konnten.

In den Abschlußwänden beider Flügel waren meist mehr oder weniger aufwendig gestaltete Spiegel angebracht, die den Raum optisch vergrößerten. Vor dem Kaffeehaus waren oft unter einer Sonnenplache oder unter einem fixen Glasdach einige Tische als sogenannter Schanigarten aufgestellt, wo man in der warmen Jahrenzeit auch im Freien bedient wurde.

 

Caféhaus – Anekdoten

Caféhaus – Anekdoten

Nicht nur Literaten saßen im Kaffee Central, auch der Wiener Bürgermeister Karl Lueger, sowie ein junger sowjetischer Emigrant namens Laib Bronstein, besser bekannt unter dem Namen Trotzky. Ein hoher Beamter des Österreichischen Außenministeriums zur Zeitungsmeldung über die Russische Revolution: Wer soll den in Rußland Revolution machen, vielleich gar der Trotzky aus dem Central?

Alfred Polgar schrieb über sein Stammkaffee, das Kaffee Central: Das Central ist ein Ort für Menschen, die die Zeit totschlagen müssen, um nicht von ihr totgeschlagen zu werden.

Nach dem Tod von Peter Altenberg verlor das Central seine Bedeutung als Literatenkaffee. Man übersiedelte in das neugegründete Kaffee Herrenhof. Nur die Mumien halten dem Alten Haus die Treue! schrieb Anton Kuh.

Fünf Herren kommen in ein Wiener Kaffeehaus und machen dort ihre Bestellungen: Jeder will etwas anderes, etwas Besonderes, eine Extrawurst, wie man in Wien sagt.
Eine Schale Gold!
Eine Teeschale braun mit Haut!
Eine Melange!
Einen Kapuziner!
Eine Melange mehr braun mit kalter Milch!

Der Kellner geht in die Kaffeeküche und sagt: 5 Kaffee bitte!

Tallyerand sagte: Der Kaffee muß heiß sein wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein wie ein Engel, und süß wie die Liebe.

 

Cafè ist IN – In Cafès

Cafè ist IN – In Cafès

Seit Anfang Mai stehen die Schanigärten wieder heraußen. Und sind vom ersten Tag gut besucht. Viele junge Leute sind da – die Innenstadt lebt wieder. Genießerisch saugt man die Frühlingsluft ein, sonnt sich in der Wärme. Man redet. Plaudert. Scherzt. Junge Mädchen, lässig auf den Sesseln, die Beine übereinander geschlagen, einen Campari, einen Eiskaffee oder ein Glas Sekt schlürfend, lachend, ausgelassen.

Das Kaffeehaus ist wieder „in“. Dort trifft man sich, dort geht man hin. Plüschbänke und Marmortische, Wandspiegel und Jugendstileuchen. Eleganz ist Nostalgie.

In den letzen Jahren sind mehr Lokale aufgemacht worden als im Jahrzehnt vorher. An allen Ecken und Enden der Stadt wird ein Beisl, ein kleines Lokal, ein kleines Cafè eröffnet. Die Besucher sind meist ebenso jung wie die Besitzer oder Geschäftsführer. Menschen, die von der abendlichen Medienberieselung haben und dich ihr Programm lieber selber machen.

Früher Abend in einem Wiener Innenstadtcafè. Fast alle Logen sind besetzt. Platz gibt`s kaum mehr. Eine Gruppe Studenten mit Manuskripten – man diskutiert, trinkt dann und wann vom Wein, der Aschenbecher quillt über. Gleich daneben, in der versteckten Loge, zwei Verliebte. Weltversunken. Als hörten sie die lautstarken Dispute der Studenten nicht. Ein paar Schüler von der nahegelegenen Tanzschule sind da: manierlich, wie`s sich gehört unter Tanzschülern. Brav, die weißen Handschuhe auf der Sitzbank. Der Zeitungstisch ist leer. Ein zwanzigjähriger Intellektuellentyp – Schnurrbart und Brille und Gauloises – verschanzt sich hinter großformatigen Blättern.

Ein anderes Kaffeehaus – auch in der Innenstadt. Die Leute, die hier verkehren, nennt man „in“: die Blondine mit der Rolex, kokett an die Bar gelehnt, die am Champagnerglas nippt und sich bemüht, möglichst unbeteiligt dreinzuschauen, und sich bisweilen betont lässig durch die Haare fährt, der Altplayboy mit dem verwitterten Gesicht, den Armani-Jeans und dem Cashmerepulli, der Aktenkofferjurist mit Flanellhose und schmaler Lederkrawatte – auch die gibt`s im Kaffeehaus. Auch die schlagen sich ihre Zeit dort tot – wie es übrigens schon Alfred Polgar getan und geschrieben hat.

Die Mädchen aus reichem Haus, sorgfältig geschminkt, und so ihre Langweile kaschierend, die jungen Gymnasiasten, die lieber bei einer Melange sitzen als in der Lateinstunde zu schwitzen, die Journalisten, die sich ihre Informationen lieber im Kaffeehaus als irgendwelchen Amtstuben holen – sie alle gehen ins Kaffeehaus. Und auch das ältere Ehepaar verschweigt sich den Abend nicht mehr so oft vor dem Fernseher, sondern unterhält sich im Cafè.

Die Legende Kaffeehaus ist Realität – lebendige Realität. Ob Realitätsbewältigung oder Realitätsflucht, ob politisches Forum oder Zufluchtsort für Verliebte, bleibt sich letztlich gleich. Das Kaffeehaus bietet eben alles. In Wien gibt es heute insgesamt 1.700 Kaffeehausbetriebe – traditionelle Kaffeehäuser mit Plüsch und nostalgischer Atmosphäre, Cafè-Konditoreien mit verlockenden Mehlspeisbuffets, Espressi für die Hektischen, Cafè-Restaurants für diejenigen, die auch ihren Magen verwöhnen.

Wer geht in`s Kaffeehaus?

15- bis 18jährige: 4,2%

19- bis 25jährige: 24,1%

26- bis 35jährige: 22,4%

36- bis 45jährige: 19,6%

46- bis 55jährige: 9,7%

56- bis 65jährige: 8,3%

über 66jährige: 8,9%

Fazit:

Ein Drittel aller Kaffeehausbesucher ist jünger als 25 Jahre!

Mehr als 2 Drittel der Kaffeehausgäste sind jünger als 45 Jahre.

80% der Kaffeehausbesucher sind Stammgäste, das heißt, sie gehen mindestens einmal in der Woche ins Kaffeehaus.

Fast die Hälfte der Kaffeehausbesucher sitzt täglich ins Kaffeehaus.

Warum geht man ins Kaffeehaus?

Plaudern mit Freunden: 60,4%

Kaffeespezialitäten: 58,8%

Ruhe und Entspannung: 45,3%

Zeitung lesen: 44,1%

Mehlspeisen: 37,7%

Musik: 23,7%

Spiele: 23,3%

 

Anektdoten

 
Nicht zu Hause und doch nicht an der frischen Luft

Wie immer dem sei: von den Lipizzaner der Spanischen Reitschule bis zur Oper, vom Hotel Sacher bis zur Konditorei Demel ist die Wirklichkeit, die der Legende nachkommt, ja geradezu nacheifert, sind es die funktionierenden Legenden, die das Charakterbild Wiens entscheidend mitbestimmen. Die weitaus komplizierteste dieser Legenden ist das Wiener Kaffeehaus.
Friedrich Torberg

Ein Journalist macht eine aufschlußreiche, gleichwohl geheimnisvolle Beobachtung: „Immerzu gehen Leute ins Hawelka hinein, und keiner kommt wieder heraus. Was macht der Hawelka eigentlich mit seinen Gästen?“
Friedrich Torberg

Was ist ein Kaffeehausliterat? Ein Mensch, der Zeit hat, im Kaffeehaus darüber nachzudenken, was die anderen draußen nicht erleben.
Anton Kuh

Das berühmte Glas Wasser, das bei längerem Verweilen verdoppelt und verdreifacht wird, stellt eine Höflichkeit dar, dem Gast zu bezeugen, daß im Wiener Cafè nicht die Konsumation entscheidend ist, sondern die Anwesenheit.
Ludwig Plakolb

Den größten Posten im literarischen Budget des kaufenden Publikums beziffern bei weitem nicht mehr die Bücher, sondern die Zeitungen. Jedes Kaffeehaus ist eine Leihbibliothek, fast jeder größere Cafètier gibt bis zwei- bis dreihundert Gulden für seine Zeitungen aus. Welcher Fürst gibt das für seine Bücher aus?
Ferdinand Kürnberger

Im Kaffeehaus sitzen Leute, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.
Alfred Polgar

Im Kaffeehaus sitzen Talente so dicht an einem –Tisch, daß sie sich einander gegenseitig an der Entfaltung hindern.
Karl Kraus

Mancher strebsame junge Mann hierzulande, der für die Bildung seines Genius etwas tun wollte, hat seine Laufbahn damit begonnen, daß er sich zunächst das geeignete Cafè aussuchte.
J.A. Lux

Seit 10 Jahren sitzen die zwei jeden Tag stundenlang, ganz allein im Kaffeehaus. Das ist eine gute Ehe! Nein, das ist ein gutes Kaffeehaus.
Alfred Polgar

 

Caféhaus – Angebote

Caféhaus – Angebote

Kaffee

  • Mocca klein oder groß (eine einfache bzw. doppelte Menge Kaffee mit der einfachen bezw. doppelten Menge Wasser)
  • Melange (einfache Menge Kaffee, mit heißer Milch und viel Milchschaum)
  • Einspänner (Variation des Mocca, er wird im Glas und mit Schlagobers serviert)
  • Fiaker (ein Mocca im Glas serviert mit Rum)
  • Kapuziner (schwarzer Kaffee mit einem Schuß Milch – braun wie die Kutte eines Kupuzinermnöchs)
  • Franziskaner (Melange sehr licht, mit Schlagobers und Schokostreuel)
  • Maria Theresia (Mocca versetzt mit einem Schuß Orangenlikr)
  • Mazagran (Mocca wird mit Eiswürfeln gekühlt und mit Maraschino versetzt)
  • Wiener Eiskaffee (Vanilleis mit einem erkalteten Mocca und viel Schlagobers)

In früheren Zeiten hat man den Kaffee nach Farbe bestellt. Im Kaffee Herrenhof gab es einen legendären Ober Hermann, der stets eine Lakiererfarbtafel mit 20 Farbschattierungen, die noch dazu nummeriert waren, mit sich herumtrug und seine Gäste jeweils nach der gewünschten Frbung bestellen ließ.

Um den Kaffeehäusern das Überleben zu sichern wurde das Angebot erweitert. Während der Kontinentalsperre durch Napoleon als man in Wien keine Kaffeebohnen erhielt, wurden die Konzessionen auf Wein und kleine Speisen ausgedehnt. Warme Mehlspeisen hielten Einzug. Erst viel später wurde das heutige Kaffee-Restaurant geboren, in dem man häufig eine hervorragende Küche vorfindet, die einem Restaurant in keiner Weise nachsteht.

In früheren Zeiten hat man den Kaffee nach Farbe bestellt. Im Kaffee Herrenhof gab es einen legendären Ober Hermann, der stets eine Lakiererfarbtafel mit 20 Farbschattierungen, die noch dazu nummeriert waren, mit sich herumtrug und seine Gäste jeweils nach der gewünschten Frbung bestellen ließ.

Um den Kaffeehäusern das Überleben zu sichern wurde das Angebot erweitert. Während der Kontinentalsperre durch Napoleon als man in Wien keine Kaffeebohnen erhielt, wurden die Konzessionen auf Wein und kleine Speisen ausgedehnt. Warme Mehlspeisen hielten Einzug. Erst viel später wurde das heutige Kaffee-Restaurant geboren, in dem man häufig eine hervorragende Küche vorfindet, die einem Restaurant in keiner Weise nachsteht.

 

In Wien liebt man`s süß

In Wien liebt man`s süß

… nicht nur das Leben, sondern vor allem – die „Mehlspeis“. Und die gehört zum Kaffee wie das sprichwörtliche Glas Wasser, ohne das dieses Getränk in einem richtigen Wiener Kaffeehaus nicht serviert wird. Allerdings: Vor einem Mehlspeisbuffet läuft einem schon von selber das Wasser im Mund zusammen….Wollen Sie wählen? Hier sind ein paar typische Wiener Kaffeehausmehlspeisen!

Apfelstrudel:

Hauchdünn ausgezogener Strudelteig, gefüllt mit feingeschnittenen Äpfeln, Semmelbröseln, die in Butter geröstet sind, Zimt, Zucker, Rosinen und Walnüssen.

Beugeln:

Kipferln mit Mohn- oder Nußfülle.

Buchteln:

Ein Germteiggebäck, gefüllt mit Marmelade.

Faschingskrapfen:

Feiner Germteig, mit Marmelade gefüllt und in Fett schwimmend herausgebacken. (Faschingskrapfen gibt es übrigens nicht nur im Fasching!)

Gugelhupf:

Eine Art Topfenkuchen aus Sandmasse oder feinem Germteig. Beim Marmorgugelhupf wird die Teigmasse zur Hälfte mit Kakao vermengt – daher das Aussehen, das an Marmor erinnert.

Golatschen:

Gebäck aus Plunder- oder feinem Germteig, mit Topfen oder Powidl (Zwetschkenmus) gefüllt.

Linzeraugen:

Zwei runde Mürbteigstücke, die mit Marmelade bestrichen und aufeinandergelegt werden, wobei der obere Teil in Ringform ausgestochen ist.

Obstkuchen:

Ein Teigboden, mit Obst (Zwetschken, Marillen, Ribiseln, Kirschen etc.) belegt und mit Zimtzucker bestreut.

Roulade:

Eine gerollte Biskuitmasse, die mit Marmelade oder Creme gefüllt wurde.

Pignolikipferl:

Haselnußmasse in Pignoli gewalzt und in Kipferlform gebacken.

Punschnitte – Punschkrapferl:

Punschfülle zwischen zwei Biskuitböden mit rosa Fondant glaciert bzw. getunkt.

Rehrücken:

Schokolademasse mit Ribiselmarmelade und Schokoladebuttercreme gefüllt, mit Schokolade glaciert und mit gestiftelten Mandeln „gespickt“.

Zwetschkenfleck:

Dünner Germteig, der mit Zwetschken belegt wird und mit Zimt und Zucker bestreut ist.

Sachertorte:

Schokolademasse mit Marillenmarmelade und Schokoglasur. Zur Sachertorte ißt man meistens eine Portion Schlagobers.

Schnecken:

Gerollter Plunderteig, mit Nüssen und Rosinen gefüllt und mit Zuckerglasur bestrichen.

Strudel:

Neben dem schon beschriebenen Apfelstrudel gibt es in den Wiener Kaffeehäusern auch Mohn- und Nußstrudel aus Germteig sowie den beliebten Topfenstrudel, der auch warm (evtl. mit Vanillecreme) serviert wird.

Esterhàzytorte (-schnitte):

Dünne Haselnußböden mit Maraschinobuttercreme zusammengefüllt. Obenauf mit weißem Fondant glaciert. Das typische Esterhàzymuster ist auf den Fondant in Streifen gespritzte Schokolade, die mit einem Messer gezogen wird.

Florentiner:

Mandeln mit kandierten Früchten und Zucker mit Schlagobers geröstet. Dünn auf ein Blech aufgetragen, gebacken, mit Schokolade glaciert und mit Aranzani belegt.

Indianer:

Zarte Biskuitkuppeln mit Schokoladeglasur überzogen und mit Schlagobers gefüllt.

Mandelbogen:

Mandeln, Zucker und Eiweiß abgeröstet auf eine Backoblate gestrichen und über einer Bogenform gebacken.

 

Tageszeitungen aus Österreich

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Von kleinen Braunen und Majestäten

Von kleinen Braunen und Majestäten

Fünf Herren kommen in ein Wiener Cafè und machen ihre Bestellungen. Jeder will etwas anderes, etwas Besonderes – eine Extrawurst, wie man so schön sagt.

„Eine Schale Gold, passiert!“

„Eine Teeschale braun, mit Haut!“

„Eine Melange, mehr weiß!“

„Einen Kapuziner!“

„Eine Melange mehr braun mit kalter Milch in vorgewärmter Schale!“

Der Kellner geht in die Kaffeeeküche und sagt: “ Fünf Kaffee“.

Wer diese Zeilen versteht, verdient den Titel “ Kaffeehausprofessor“. Kaffeetrinken und vor allem Kaffeebestellen sind schon fast eine Wissenschaft. Kaffee ist nämlich nicht Kaffee. Ein kleiner Brauner schmeckt anders als eine Melange oder ein Einspänner. Nirgends gibt es so viele Kaffeespezialitäten wie in Wien. Und nirgends werden sie so gepflegt wie in Wien.

Wenn man denkt, daß es einmal achterlei Sorten Melange gegeben hat, daß ein Kellner mit einer Farbtafel zu ihren Gästen gekommen sind und gefragt haben, welche Farbe der Kaffee haben sollte, wenn man sich erinnert, wie viele Größenmaße es allein bei den Kaffeeschalen gibt, dann wird man verstehen, warum Kaffeetrinken in aus der Wien eine kulinarische Besonderheit ist.

Aus der Fülle der Kaffeespezialitäten haben wir ein paar herausgesucht, sozusagen als –Anreiz für Kaffeespezialitäten und solche, die es noch werden wollen.

FRANZISKANER

Schon bei Wallenstein , der bekanntlich noch keinen Kaffee kannte, war es der Franziskanerpater, der allen zurief: „Wachet, damit ihr nicht in Versuchung fallet.“

Die Franziskaner waren auch durch die Farbe ihres Ordenskleides die Namensgeber für diese bekömmliche Wiener Kaffeespezialität, bei der man nach dem zweiten Glas Gusto auf ein drittes bekommt.

Zutaten: Ein kleiner Mocca mit viel Milch, 2 Kaffeelöffel Schlagobers, Schokoladestreusel, Zucker.

Zubereitung: In ein Wiener Spezialitätenglas einen kleinen Mocca mit heißer schaumiger Milch bis knapp unter dem Rand auffüllen. Darauf geschlagenes Obers und Streusel.

EINSPÄNNER

Einspänner nennt man in Wien ein halbes Paar Würstel, einen Fiaker mit einem Pferd oder den in einem Henkelglas servierten Kaffee mit Schlag. Die Fiaker mußten mit einer Hand das Pferd halten, daher mußte der heiße Kaffee in einem Henkelglas serviert werden. Glas und Getränk nannte man Einspänner.

Zutaten: Kaffee, Schlagobers, Zucker.

Zubereitung: Ein starker heißer Kaffee wird in einem Wiener Einspännerglas reichlich mit Schlagobers garniert.

KAISERMELANGE

Melange ist die Bezeichnung des Kaffees zwischen braun und gold, bei der Kaisermelange färbt Eidotter statt Milch. Dieses Getränk eignet sich besonders als Stärkung für Kranke und Sportler und als Muntermacher nach anstrengenden Nächten.

Zutaten: Kaffee, Ei, Honig und Mocca.

Zubereitung: Eidotter mit gut 15 – 20g Honig in einer großen Moccaschale verrühren und den heißen Kaffee darübergießen.

FIAKER

Die Fiaker strengten und strengen sich heute noch an, so reich wie die Meister werden sie aber nie. Deshalb versetzen sie ihren Kaffee auch mit Rum, anstatt einen teuren Weinbrand dazuzutrinken.

Zutaten: Verlängerter Mocca, Rum, eventuell Schlagobers.

Zubereitung: In den verlängerten Mocca wird ein Schuß Rum gegeben. Man kann auch Schlagobers dazugeben.

WIENER EISKAFFEE

Den Wiener Eiskaffee gibt es schon seit “ ewigen“ Zeiten“. Bereits der Kaffeesieder Milani servierte in seinem Limonadenzelt um 1790 diese begehrte Köstlichkeit. Zum Unterschied vom Schweizer Eiscafè besteht der Wiener Eiskaffee wirklich Kaffee und Eis und nicht nur aus Kaffee-Eis.

Zutaten: Mocca, zwei Kugeln Vanilleeis.

Zubereitung: Schwarzer Kaffee wird über Vanilleeis geleert und dann als Eiskaffee im hohen Glas (mit Limonadenlöffel und Strohhalm) serviert.

MARIA THERESIA

Maria Theresia trank gerne Kaffee und hat sich auch um das Wiener Kaffeehaus sehr verdient gemacht. Aber auch den klugen Männern, die sie um sich versammelte, brachte dieser Kaffee die besten Einfälle.

Zutaten: Verlängerter Mocca, 2 cl Likör 1`Orange, Schlagobersgupf, flüssiger Zucker und bunter Streusel.

Zubereitung: In ein Wiener Spezialitätenglas Orangenlikör eingießen, darüber flüssigen Zucker und heißer Mocca, darüber einen –Schlagobersgupf mit Streusel.

TÜRKISCHER KAFFEE

Das türkische Kaffeekanderl ist im Wappen des Wiener Kaffeesieders als Andenken an das Jahr 1683 geblieben, genau wie das Kipferl, das den türkischen Halbmond symbolisiert.

Zutaten: Türkisch gemahlener Kaffee, Staubzucker.

Zubereitung: Der extrem fein gemahlene Kaffee wird mit Staubzucker vermengt und davon reichlich ins türkische Kaffeekanderl gegeben. Das Kanderl bis zu 2/3 mit frischem Wasser füllen, über Feuer zweimal aufwallen lassen und mit einigen Tropfen kaltem Wasser abschrecken, damit sich das Kaffeemehl zu Boden setzt.

MEISTERKAFFEE

Früher hatten die Meister noch ein leichtes Leben. Und konnten sich auch etwas leisten. Deshalb tranken sie den Kaffee nicht einfach mit Milch oder überhaupt schwarz. Nach getaner –Arbeit ließ sich der Meister einen edlen Weinbrand zu seinem Kaffee servieren-Meisterkaffee.

Zutaten: Kaffee – gleichgültig ob schwarz, braun oder verlängert.

Zubereitung: Der Weinbrand wird im Schwenker extra serviert.

 

Ziegenbock

Ein Ziegenbock…

raste mit unglaublicher Geschwindigkeit auf der Wieder umher. Seine Ziegen waren ähnlich gut aufgelegt. Mit sichtlichem Vergnügen sprangen sie von einem Grünpflanz zum nächsten und tobten auch in den Freßpausen übermütig herum. Das wäre nicht weiter bemerkenswert. Aber in der Gluthitze des abessinischen Sommers, wo sich tagsüber kaum ein Lufthauch regt, liegt jedes normale Tier im Schatten und döst vor sich hin. Fitneßübungen sind nur in den Morgenstunden üblich, und selbst da hält sich die Begeisterung für hektische Betriebsamkeit in Grenzen.

Das fiel auch den Hirten auf, die für die kaum zu bändigende Horde zuständig waren. Damals, vor etwa 1000 Jahren… in der Provinz Kaffa. Aha, daher weht der Wind! Kaffa… Kaffee… Genau.

Die klugen Tierchen hatten, ohne es zu wissen, den Kaffeestrauch entdeckt. Und sich mit Vergnügen an den roten Kaffeekirschen gütlich getan. Auch die Blätter des Strauches, der im botanischen Sinne eigentlich ein Baum ist, müssen es ihnen angetan haben. Überliefert ist nur, daß die Hirten den Tieren auf die Schliche kamen. Im Selbstversuch wurde der Reihe nach alles getestet. Blätter und Früchte wurden auf vielerlei Weise zubereitet und verkostet – die Wirkung war enorm. Die Hirten hatten ein echtes konnte und scheinbar ausdauernder machte.Damit war die Erfolgsgeschichte der braunen Bohnen vorprogrammiert.

Ob die Hirtengeschichte tatsächlich passiert ist oder eher aus dem Reich der Sagen stammt, ist nicht restlos geklärt. Es gibt auch ähnliches von Mönchen berichtet, die etwa im 9. Jahrhundert nach Christus in einem Kloster am Roten Meer zu Hause waren. Andere Menschen, andere Ziegen, aber die gleiche Geschichte. Den Klosterbrüdern entging die tolle Wirkung der hübschen Pflanze ebenfalls nicht. Vor allem die nächtelangen Exerzitien ließen sich auf einmal viel besser durchstehen.

Vielleicht, weil ihnen andere Freuden des Lebens versagt bleiben, sind Mönche bekannt als besondere Feinschmecker. Auch der beste Champagner stammt ja aus dem Keller eines Gottesmannes! (Pommery). Kein Wunder, daß die bitteren Früchte trotz der phänomenalen Wirkung also nicht wirklich schmeckten. Enttäuscht darüber soll einer der frommen Brüder die Kaffeekirschen (oder die grünen Kerne) ins Feuer geworfen haben. Und schon war ein aromatischer, gar nicht unangenehmer Duft im Raum! Ohne es zu ahnen, hat der gute Mann auf diese Art die erste Kaffeeröstung inszeniert.

Wer schon einmal von Wandermönchen gehört hat, kann sich nun seinen Reim darauf machen, warum die Verbreitung des Kaffees von diesem Zeitpunkt an gesichert war.