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Von kleinen Braunen und Majestäten

Von kleinen Braunen und Majestäten

Fünf Herren kommen in ein Wiener Cafè und machen ihre Bestellungen. Jeder will etwas anderes, etwas Besonderes – eine Extrawurst, wie man so schön sagt.

„Eine Schale Gold, passiert!“

„Eine Teeschale braun, mit Haut!“

„Eine Melange, mehr weiß!“

„Einen Kapuziner!“

„Eine Melange mehr braun mit kalter Milch in vorgewärmter Schale!“

Der Kellner geht in die Kaffeeeküche und sagt: “ Fünf Kaffee“.

Wer diese Zeilen versteht, verdient den Titel “ Kaffeehausprofessor“. Kaffeetrinken und vor allem Kaffeebestellen sind schon fast eine Wissenschaft. Kaffee ist nämlich nicht Kaffee. Ein kleiner Brauner schmeckt anders als eine Melange oder ein Einspänner. Nirgends gibt es so viele Kaffeespezialitäten wie in Wien. Und nirgends werden sie so gepflegt wie in Wien.

Wenn man denkt, daß es einmal achterlei Sorten Melange gegeben hat, daß ein Kellner mit einer Farbtafel zu ihren Gästen gekommen sind und gefragt haben, welche Farbe der Kaffee haben sollte, wenn man sich erinnert, wie viele Größenmaße es allein bei den Kaffeeschalen gibt, dann wird man verstehen, warum Kaffeetrinken in aus der Wien eine kulinarische Besonderheit ist.

Aus der Fülle der Kaffeespezialitäten haben wir ein paar herausgesucht, sozusagen als –Anreiz für Kaffeespezialitäten und solche, die es noch werden wollen.

FRANZISKANER

Schon bei Wallenstein , der bekanntlich noch keinen Kaffee kannte, war es der Franziskanerpater, der allen zurief: „Wachet, damit ihr nicht in Versuchung fallet.“

Die Franziskaner waren auch durch die Farbe ihres Ordenskleides die Namensgeber für diese bekömmliche Wiener Kaffeespezialität, bei der man nach dem zweiten Glas Gusto auf ein drittes bekommt.

Zutaten: Ein kleiner Mocca mit viel Milch, 2 Kaffeelöffel Schlagobers, Schokoladestreusel, Zucker.

Zubereitung: In ein Wiener Spezialitätenglas einen kleinen Mocca mit heißer schaumiger Milch bis knapp unter dem Rand auffüllen. Darauf geschlagenes Obers und Streusel.

EINSPÄNNER

Einspänner nennt man in Wien ein halbes Paar Würstel, einen Fiaker mit einem Pferd oder den in einem Henkelglas servierten Kaffee mit Schlag. Die Fiaker mußten mit einer Hand das Pferd halten, daher mußte der heiße Kaffee in einem Henkelglas serviert werden. Glas und Getränk nannte man Einspänner.

Zutaten: Kaffee, Schlagobers, Zucker.

Zubereitung: Ein starker heißer Kaffee wird in einem Wiener Einspännerglas reichlich mit Schlagobers garniert.

KAISERMELANGE

Melange ist die Bezeichnung des Kaffees zwischen braun und gold, bei der Kaisermelange färbt Eidotter statt Milch. Dieses Getränk eignet sich besonders als Stärkung für Kranke und Sportler und als Muntermacher nach anstrengenden Nächten.

Zutaten: Kaffee, Ei, Honig und Mocca.

Zubereitung: Eidotter mit gut 15 – 20g Honig in einer großen Moccaschale verrühren und den heißen Kaffee darübergießen.

FIAKER

Die Fiaker strengten und strengen sich heute noch an, so reich wie die Meister werden sie aber nie. Deshalb versetzen sie ihren Kaffee auch mit Rum, anstatt einen teuren Weinbrand dazuzutrinken.

Zutaten: Verlängerter Mocca, Rum, eventuell Schlagobers.

Zubereitung: In den verlängerten Mocca wird ein Schuß Rum gegeben. Man kann auch Schlagobers dazugeben.

WIENER EISKAFFEE

Den Wiener Eiskaffee gibt es schon seit “ ewigen“ Zeiten“. Bereits der Kaffeesieder Milani servierte in seinem Limonadenzelt um 1790 diese begehrte Köstlichkeit. Zum Unterschied vom Schweizer Eiscafè besteht der Wiener Eiskaffee wirklich Kaffee und Eis und nicht nur aus Kaffee-Eis.

Zutaten: Mocca, zwei Kugeln Vanilleeis.

Zubereitung: Schwarzer Kaffee wird über Vanilleeis geleert und dann als Eiskaffee im hohen Glas (mit Limonadenlöffel und Strohhalm) serviert.

MARIA THERESIA

Maria Theresia trank gerne Kaffee und hat sich auch um das Wiener Kaffeehaus sehr verdient gemacht. Aber auch den klugen Männern, die sie um sich versammelte, brachte dieser Kaffee die besten Einfälle.

Zutaten: Verlängerter Mocca, 2 cl Likör 1`Orange, Schlagobersgupf, flüssiger Zucker und bunter Streusel.

Zubereitung: In ein Wiener Spezialitätenglas Orangenlikör eingießen, darüber flüssigen Zucker und heißer Mocca, darüber einen –Schlagobersgupf mit Streusel.

TÜRKISCHER KAFFEE

Das türkische Kaffeekanderl ist im Wappen des Wiener Kaffeesieders als Andenken an das Jahr 1683 geblieben, genau wie das Kipferl, das den türkischen Halbmond symbolisiert.

Zutaten: Türkisch gemahlener Kaffee, Staubzucker.

Zubereitung: Der extrem fein gemahlene Kaffee wird mit Staubzucker vermengt und davon reichlich ins türkische Kaffeekanderl gegeben. Das Kanderl bis zu 2/3 mit frischem Wasser füllen, über Feuer zweimal aufwallen lassen und mit einigen Tropfen kaltem Wasser abschrecken, damit sich das Kaffeemehl zu Boden setzt.

MEISTERKAFFEE

Früher hatten die Meister noch ein leichtes Leben. Und konnten sich auch etwas leisten. Deshalb tranken sie den Kaffee nicht einfach mit Milch oder überhaupt schwarz. Nach getaner –Arbeit ließ sich der Meister einen edlen Weinbrand zu seinem Kaffee servieren-Meisterkaffee.

Zutaten: Kaffee – gleichgültig ob schwarz, braun oder verlängert.

Zubereitung: Der Weinbrand wird im Schwenker extra serviert.

 

Ziegenbock

Ein Ziegenbock…

raste mit unglaublicher Geschwindigkeit auf der Wieder umher. Seine Ziegen waren ähnlich gut aufgelegt. Mit sichtlichem Vergnügen sprangen sie von einem Grünpflanz zum nächsten und tobten auch in den Freßpausen übermütig herum. Das wäre nicht weiter bemerkenswert. Aber in der Gluthitze des abessinischen Sommers, wo sich tagsüber kaum ein Lufthauch regt, liegt jedes normale Tier im Schatten und döst vor sich hin. Fitneßübungen sind nur in den Morgenstunden üblich, und selbst da hält sich die Begeisterung für hektische Betriebsamkeit in Grenzen.

Das fiel auch den Hirten auf, die für die kaum zu bändigende Horde zuständig waren. Damals, vor etwa 1000 Jahren… in der Provinz Kaffa. Aha, daher weht der Wind! Kaffa… Kaffee… Genau.

Die klugen Tierchen hatten, ohne es zu wissen, den Kaffeestrauch entdeckt. Und sich mit Vergnügen an den roten Kaffeekirschen gütlich getan. Auch die Blätter des Strauches, der im botanischen Sinne eigentlich ein Baum ist, müssen es ihnen angetan haben. Überliefert ist nur, daß die Hirten den Tieren auf die Schliche kamen. Im Selbstversuch wurde der Reihe nach alles getestet. Blätter und Früchte wurden auf vielerlei Weise zubereitet und verkostet – die Wirkung war enorm. Die Hirten hatten ein echtes konnte und scheinbar ausdauernder machte.Damit war die Erfolgsgeschichte der braunen Bohnen vorprogrammiert.

Ob die Hirtengeschichte tatsächlich passiert ist oder eher aus dem Reich der Sagen stammt, ist nicht restlos geklärt. Es gibt auch ähnliches von Mönchen berichtet, die etwa im 9. Jahrhundert nach Christus in einem Kloster am Roten Meer zu Hause waren. Andere Menschen, andere Ziegen, aber die gleiche Geschichte. Den Klosterbrüdern entging die tolle Wirkung der hübschen Pflanze ebenfalls nicht. Vor allem die nächtelangen Exerzitien ließen sich auf einmal viel besser durchstehen.

Vielleicht, weil ihnen andere Freuden des Lebens versagt bleiben, sind Mönche bekannt als besondere Feinschmecker. Auch der beste Champagner stammt ja aus dem Keller eines Gottesmannes! (Pommery). Kein Wunder, daß die bitteren Früchte trotz der phänomenalen Wirkung also nicht wirklich schmeckten. Enttäuscht darüber soll einer der frommen Brüder die Kaffeekirschen (oder die grünen Kerne) ins Feuer geworfen haben. Und schon war ein aromatischer, gar nicht unangenehmer Duft im Raum! Ohne es zu ahnen, hat der gute Mann auf diese Art die erste Kaffeeröstung inszeniert.

Wer schon einmal von Wandermönchen gehört hat, kann sich nun seinen Reim darauf machen, warum die Verbreitung des Kaffees von diesem Zeitpunkt an gesichert war.

 

Es duftet nach Urlaub

Der Reise-Veranstalter Tui hat Unter den Linden ein ungewöhnliches Reisebüro eröffnet

Reisebüros gibt es an jeder Ecke. Richtig einladend sehen die wenigsten aus. Oft sitzt man schwitzend im Wintermantel über Prospekten, kann sich nicht so richtig entscheiden und versucht, sich von den anderen Wartenden nicht bedrängen zu lassen. Das neue Tui-Reisebüro Unter den Linden dagegen will ein Reisebüro sein, das ganz anders ist als alle anderen. Schon allein deshalb hat man sich eine Menge schöner Begriffe ausgedacht und sich Reise-Erlebniscenter „World of Tui“ genannt.

Die Mitarbeiter heißen Ferien-Scouts. Sie tragen alle dunkelblaue Hosenanzüge oder Kostüme, blaue Hemden und rot-blaue Halstücher. Sie sollen den Kunden nicht nur Flüge und Übernachtungen verkaufen. Sie sollen das Reisen sinnlich erlebbar machen, sagt die Leiterin, die Center-Managerin Beate Arnold. „Die Kunden können sich mit allen fünf Sinnen auf ihre Reise einstellen.“

Hier wird also nicht nur in dicken Prospekten geblättert. Die Hotels, die Einreisebedingungen, Impfbestimmungen, die Flüge und landeskundliche Informationen zu den jeweiligen Ländern sind auch im Computer gespeichert. Die Kunden können alle Daten selbst abrufen, also selbst auf den Bildschirm gucken. Bei den Werbefilmen für die Länder strömen aus einer kleinen Düse unterhalb des Bildschirms Düfte. Man sieht Frauen am Strand und riecht Sonnenöl, im Film trinken zwei Paare Cocktails und aus der Düse riecht es nach Zitrone. Und geschwitzt wird auch nicht. Die Kunden können ihre Mäntel im Ergeschoss abgeben, bevor sie in den ersten Stock gehen, um sich an „Beratungsinseln“ beim Buchen helfen zu lassen. Oben gibt es auch eine Ruhezone. Dort setzt man sich Cyber-Brillen auf und kann sich darin Reisefilme ansehen. Vor einer Bluebox, einer blauen Leinwand, auf die verschiedene Landschaften projiziert werden, kann man sich fotografieren lassen und das Bild per E-Mail an Freunde verschicken. Das neue Reisebüro im Jugendstil-Haus der Preussag-Repräsentanz belegt mehr als 500 Quadratmeter. Zu DDR-Zeiten saß hier die Touristik-Information des Landes.

Jeden Monat soll bei Tui künftig ein anderes Reiseland im Vordergrund stehen. „Im Dezember beginnen wir mit Österreich“, sagt Jens Müßigbrodt, der Projektleiter des Reisebüros. Dann bäckt der österreichische Koch Siegfried Dörre Apfelstrudel. Den ganzen Monat über gibt es an der Bar im Erdgeschoss Melange oder Kärntner Speck. Am 2. Dezember treten drei Hauptdarsteller aus dem Musical „FMA-Falco Meets Amadeus“ auf und geben Autogramme.

BERLINER ZEITUNG/HANS RICHARD EDINGER Cyber-Brille aufsetzen, zurücklehnen und schon ist man im Kopf in Kuba. In der Ruhezone des Tui Reise-Erlebniscenters will man die Kunden in Urlaubsstimmung versetzen.

Bericht von Berlin Online

Datum:   27.11.2001 Ressort:   Lokales Autor:   Dilek Güngör

Caféhaus – Angebote

Kaffee

  • Mocca klein oder groß (eine einfache bzw. doppelte Menge Kaffee mit der einfachen bezw. doppelten Menge Wasser)
  • Melange (einfache Menge Kaffee, mit heißer Milch und viel Milchschaum)
  • Einspänner (Variation des Mocca, er wird im Glas und mit Schlagobers serviert)
  • Fiaker (ein Mocca im Glas serviert mit Rum)
  • Kapuziner (schwarzer Kaffee mit einem Schuß Milch – braun wie die Kutte eines Kupuzinermnöchs)
  • Franziskaner (Melange sehr licht, mit Schlagobers und Schokostreuel)
  • Maria Theresia (Mocca versetzt mit einem Schuß Orangenlikr)
  • Mazagran (Mocca wird mit Eiswürfeln gekühlt und mit Maraschino versetzt)
  • Wiener Eiskaffee (Vanilleis mit einem erkalteten Mocca und viel Schlagobers)

In früheren Zeiten hat man den Kaffee nach Farbe bestellt. Im Kaffee Herrenhof gab es einen legendären Ober Hermann, der stets eine Lakiererfarbtafel mit 20 Farbschattierungen, die noch dazu nummeriert waren, mit sich herumtrug und seine Gäste jeweils nach der gewünschten Frbung bestellen ließ.

Um den Kaffeehäusern das Überleben zu sichern wurde das Angebot erweitert. Während der Kontinentalsperre durch Napoleon als man in Wien keine Kaffeebohnen erhielt, wurden die Konzessionen auf Wein und kleine Speisen ausgedehnt. Warme Mehlspeisen hielten Einzug. Erst viel später wurde das heutige Kaffee-Restaurant geboren, in dem man häufig eine hervorragende Küche vorfindet, die einem Restaurant in keiner Weise nachsteht.

In früheren Zeiten hat man den Kaffee nach Farbe bestellt. Im Kaffee Herrenhof gab es einen legendären Ober Hermann, der stets eine Lakiererfarbtafel mit 20 Farbschattierungen, die noch dazu nummeriert waren, mit sich herumtrug und seine Gäste jeweils nach der gewünschten Frbung bestellen ließ.

Um den Kaffeehäusern das Überleben zu sichern wurde das Angebot erweitert. Während der Kontinentalsperre durch Napoleon als man in Wien keine Kaffeebohnen erhielt, wurden die Konzessionen auf Wein und kleine Speisen ausgedehnt. Warme Mehlspeisen hielten Einzug. Erst viel später wurde das heutige Kaffee-Restaurant geboren, in dem man häufig eine hervorragende Küche vorfindet, die einem Restaurant in keiner Weise nachsteht.

Gewerbe und Zünfte anno 1683

Der Coup von Wien

Geld und Wirtschaft spielten auch bei der Türkenbelagerung 1683 schon eine große Rolle. Die Verteidigung der Stadt mußten ihre Söldner bezahlen, und sie brauchten Waffen, Lebensmittel, Nachschub. Das alles kostet natürlich Geld. Und außerdem brauchte man Fachleute: Zimmerer, Tischler, Waffenschmiede, Bäcker, Fleischer…und Münzmeister.

Als die Türken vor Wien standen – beweist ein vor kurzem erschienen Buch über das Jahr 1683 – befanden sich nur läppische 30.000 Gulden (heute wären das 300.000 Schilling) in der Stadtkassa. Zu wenig, um die Stadt effizient zu verteidigen. Denn allein die Verpflegung kostete im Monat 40.000 Gulden.

Und die Handwerker wollten auch bezahlt werden. Denn die Zünfte und deren Meister waren unentbehrlich für die Zerschlagung des türkischen Heeres. Banken, die Geld vorstreckten, gab es damals nicht. In allerhöchster Not kam Hilfe. Ein ungarischer Bischof namens Kollonitsch wußte nämlich, daß sich ein Keller eines Palais unermeßlichem Schätze befanden. Der Eigentümer, Erzbischof Szelepsenyi, der aus Wien geflüchtet war, wurde kurzerhand „seines Vermögens enthoben“. Aus den Goldvorräten wurden flugs Münzen geprägt – Graf Starhemberg, der Verteidiger Wiens, hatte nun genügend Geld, um seine Soldaten zu bezahlen und auch die Rechnungen der Lieferanten zu begleichen. 500.000 Gulden, also fast 5 Millionen Schilling, war der Schatz des Erzbischofs wert gewesen.

Jetzt konnte Starhemberg ans Werk gehen: bei den Waffenschmieden bestellte er 2000 Morgensterne, die Bäcker konnten wieder weißes Mehl verwenden, die Ärzte konnten ordentlich bezahlt werden: Ein Doktor verdiente etwa 50 Gulden im Monat und ein halbes Kilo Fleisch kostete 6 Kreuzer, während man für ein Kilo Fisch – die Fische wurden aus dem Burggraben gefischt immerhin 2 Gulden bezahlte.

Den Zünften ging es jedenfalls besser – sie waren auch, wie man heute sagen würde, motiviert, alle ihre Kräfte und Fähigkeiten zur Verteidigung der Stadt einzusetzen.

Heute muß man Geld nicht mehr beschlagnahmen, um den Zünften zu helfen. Heute gibt es Banken und geförderte Kredite. Aber heute ist das Handwerk, modern ausgedrückt, sind die Klein- und Mittelbetriebe, das Gewerbe, genauso wichtig wie damals. Heute beschäftigen die Klein- und Mittelbetriebe an die 60 Prozent der österreichischen Arbeitnehmer und produzieren mehr als 2 Drittel des Bruttoinlandsproduktes.

Heute ist die Funktion der „Hausbank“, der geeigneten Kreditorganisation für den kleine Betrieb, für das Gewerbe wichtiger denn je. Weil es nicht nur in Geldangelegenheiten, sondern auch in Wirtschafts- und Marktangelegenheiten berät.

Als die Türken nach Wien kamen

Die dritte Türkenbelagerung

1683 – die Türken zogen mit einer riesigen Heeresmacht gegen Wien. Wien, die Stadt,“des goldenen Apfels“, ist für sie eine Traumstadt . Die wollen sie unbedingt erobern. Doch vor Wien gerät ihr Vormarsch ins Stocken. Die Wiener haben sich gut auf den Angriff vorbereitet. Graf Starhemberg ist ein unsichtiger Anführer der Belagerten. Kara Mustafa, der türkische Feldherr, weiß sich keinen Rat. Einige Wochen lang stehen die Türken vor Wien, plündern die Bauernhöfe und Dörfer der Umgebung und werden immer unsicherer. Als der Polenkönig Jan Sobieski und Herzog Karl von Lothringen den bedrängten Wiener zu Hilfe kommen, müssen die Türken weichen . Überstürzt verlassen sie Wien. In letzter Minute ist die Stadt gerettet worden.

Das war vor dreihundert Jahren.

Die Geschichte des Kaffees

 

Das Wiener Kaffeehaus, ist legendär – weltberühmt, ein Qualitätsbegriff, eine Institution, vielgeliebt, vielbeschrieben, vielbesucht, lebendig wie eh und jäh, anziehend, anheimelnd.

Zur Geschichte läßt sich sagen, daß sie mit einer Legende beginnt:
Man schreibt den 12. August 1683. Die Türken greifen mit aller Vehemenz die Stadt Wien an. Die heldenhaften Wiener unter der Führung Graf Starhembergs können den Ansturm noch einmal abwehren. Doch mit einem Schlag ist deutlich geworden, wie gefährlich die Lage der umzingelten Stadt ist. Man braucht Hilfe. Es wird ein Wiener Namens Georg Franz Kolschitzky auserkoren, als Bote Hilfe von Karl von Lothringen zu erbitten. Dieser war es, der zusammen mit Polenkönig Jan Sobjesky, die Türken tatschlich vertrieb. Als Dank für seine Leistungen erbat sich Kolschitzky von den Stadtvätern, die ihn nach einer Belohnung fragten, einen anscheinend bescheidenen Wunsch: Er wünschte sich, die zurckgelassenen Kaffeesäcke aus dem Heereslager der Türken und ein Haus, wo er als erster Wiener dem Berufe des Kaffeesiedens nachgehen konnte. Dieses war das Haus zur blauen Flasche. Er röstete die grünlichen unansehnlichen Bohnen, mahlte sie und goß kochendes Wasser darüber. So entstand ein Getränk Kaffee genannt. Diesen schenkte er zunächst mit mäßigem Erfolg aus. Den Wienern schmeckte dieses bittere schwarzen Getränk nicht.

Durch ein Mißgeschick gelangte eines Tages Zucker in die schwarze Brühe. Genau das fehlte dem Getränk. Ein paar weitere Experimente, etwas Milch in die Brühe, die Wiener Melange war geboren.

Die Wahrheit ist nüchterner. Erstens war Kolschitzky nicht der erste Kaffeesieder und zweitens war er nur ein kleiner Kundschafter wie dutzende andere Kuriere. Der Einfachheit halber wurde er zur Symbolfigur der Kaffeesieder hochstilisiert, denn zur Entstehung der Kaffeehaustradition hat eine ganze Reihe von Persönlichkeiten beigetragen, deren Leistung einzig und allein Herrn Kolschitzky zugeschrieben wurden z. B. der Armenier Johannes Diodato auch Deodat genannt, dem für seine Verdienste als Kundschafter das Monopol der ersten Kaffeeausschank gleich für volle 20 Jahre verliehen wurde. Das Glück whrte nicht sehr lange, denn bei der Belagerung Belgrads durch Prinz Eugen wollte sich der Listreiche wieder Lorbeeren als Kundschafter verdienen, wurde jedoch in eine Intrige verwickelt und als Doppelspion angeklagt. Er konnte sich nur mit Mühe und Not rehabilitieren. Auf diese Gelegenheit hatten vier andere Armenier nur gewartet. Isaak de Luca, Joseph Devich, Andre Ben und Philip Rudolph Perg bekamen ebenfalls im Jahre 1700, während der Regentschaft Kaiser Leopolds, die Konzession zur Kaffeeausschank. Zug um Zug ging es weiter. Im Jahr 1714 gab es bereits 11 konzessionierte Kaffeesieder in Wien. Die größten Gegner der Kaffeesieder waren damals die Wasserbrenner (Schnapsbrenner) die zum Ärger der Kaffeesieder unerlaubter Weise auch Kaffee ausschenkten. 1747 beendete Kaiserin Maria Theresia den Zwist, indem sie die beiden Bruderschaften zusammenlegte.

Mitte des 18.Jahrhunderts gab es in den Grundzügen schon alles, was heute zur Tradition gehört. Man fand dort Zeitungen, spielte Billard, Karten und das legendäre Glas Wasser wurde damals wie heute zum Kaffee gereicht. Die erste große Blüte des Wiener Kaffeehauses begann in der Josefinischen Zeit (Ende des 18. Jhdt.) In der Vorstadt entstanden zahlreiche Kaffeehäuser und im Zentrum eröffneten die ersten bereits luxuriös ausgestatteten Kaffeehuser, wie das berühmte Taroni am Graben. Der Italiener Taroni war auch der erste der vor seinem Kaffeehaus einen Gastgarten errichtete, den berühmten Schanigarten.

Andere waren das Kaffee Milani. Jovanni Milani war der erste der der sein Kaffeehaus der Damenwelt öffnete. Weitere folgten, wie das Hugelmannsche Kaffeehaus, ein Zentrum der Billardspieler. In der Napoleonischen Zeit erwirkte die Kontinentalsperre eine Verknappung von Kaffee, das Wiener Kaffeehaus hatte seine erste Krise zu bestehen. Man griff zu Kaffeesatz (Zichorie, Feigen, Roggen, Gerste aber auch Zwetschkenkernen). Während des Wiener Kongresses begann eine neue Hochblüte, es entstanden Luxuskaffees in denen dann auch Wein und kleine warme Speisen serviert wurden. 1839 zählte man bereits 88 Kaffeehäuser. Es entstanden Ausflugslokale sowie Konzertkaffees für die musikliebenden Wiener, in denen selbst Musiker wie Schubert, Mozart und Beethoven verkehrten. Berühmt waren die 3 Kaffeehäuser an der Prater Hauptallee, wo man nach Spaziergängen einkehrte und junge Adelige auf Brautschau gingen.

Mitte des 19. Jahrhunderts erlebten die Konzertcafés ihre Hochblüte durch Komponisten wie Lanner, Strau und Ziehrer. Den Höhepunkt bildedete die Wiener Weltausstellung, die trotz Börsenkrachs dem Wiener Kaffee Weltruf verschaffte und zahlreiche Betriebe nach Wiener Art in ganz Europa entstehen ließen. Aber auch Literatencafés wie das Griensteidl schafften es zu Weltruhm. Das Central, in dem Anton Kuh, Alfred Polgar und Egon Fridell ihre Werke verfaßten, beherbergte aber auch leidenschaftliche Schachspieler, wie den russischen Revolutionr Leonid Trotzky. Die Maler hingegen trafen sich im Kaffee Sperl, das als einziges original klassizistisches Kaffeehaus heute noch genau so aussieht wie vor 100 Jahren. Nur mehr wenige Ringstraßencafés, die seinerzeit mit unvorstellbarem Aufwand eingerichtet waren säumen heute noch den Prachtboulevard. Sie waren und sind Treffpunkt für die elegante Welt, Businessmen, Künstler, Spekulanten, Tummelplatz für Verliebte – das war und ist

Das Wiener Kaffeehaus

Kolschitzky – Geschichte des Wiener Kaffeehauses

 

 
KOLSCHITZKY ANNO 1683

Vor über dreihundert Jahren, genau gesagt, am 12. September 1683, mußten die Türken mit ihrem riesigen Heer einsehen, daß es für sie nichts zu bestellen gab in Wien. Hals über Kopf flüchteten sie.

Zurückgelassen haben die Türken außer einigen Uniformen, Gefangenen und der Militärmusik vor allem eins: den Kaffee, den man damals in Wien noch nicht kannte.

Die Legende berichtet, daß ein gewisser Georg Franz Kolschitzky, ein Kundschafter und ehemaliger Handlungsreisender aus Armenien sich als Belohnung für seine Dienste um die Verteidigung der Stadt diese Kaffeesäcke habe schenken lassen. Und als Draufgabe noch ein Haus, den „Hof zur Blauen Flasche“ im ehemaligen Schlossergassl – heute heißt es Domgasse.

Dieser Kolschitzky hat die grünen Bohnen geröstet, gemahlen, mit Wasser aufgekocht und das schwarze, heiße Getränk ausgeschenkt: zuerst nur mit mäßigem Erfolg. Erst als der clevere Kolschitzky auf die Idee kam, seinen „Kahve“ zu zuckern und mit Milch zu strecken, waren die Wiener zufrieden. Das neue Getränk, die „Melange“, wurde ein Hit. Und das Wiener Kaffeehaus war geboren.

Diese Geschichte wurde jahrhundertelang als Wahrheit angesehen. Man gewöhnte sich eben an den guten alten Kolschitzky und seine erste Kaffeehausausschank, die zahlreichen Märchen und Legenden, die rund um seine Person entstanden sind. So etwa soll Kolschitzky auch das berühmte Kipferl erfunden haben, sozusagen als Rache an den Türken. Denn das halbrunde Kipferl war nichts anders als eine süße Erinnerung an den türkischen Halbmond, der in Wien anno 1683 untergegangen war – und den die Wiener nun genüßlich zwischen den Zähnen zermalmten.

Mittlerweile weiß man, daß Kolschitzky weder der Erfinder des Wiener Kaffeehauses noch der Melange war. Sondern ein Landsmann von Kolschitzky, der Armenier Diodato, hat die erste Kaffe-Ausschank in Wien aufgemacht.

Trotzdem: Die Legende des Georg Franz Kolschitzky klingt so schön und echt, daß man sie nicht vergessen konnte. Und auch nicht vergessen sollte. Denn vieles in Wien ist Legende und trotzdem Wirklichkeit, das hat schon Friedrich Torberg gesagt, der schließlich ein Kaffeehauskenner höchsten Grades war.

Seit Kolschitzky, oder besser gesagt, seit Diodato, hat das Wiener Kaffeehaus einen gigantischen Aufschwung erlebt. In dreihundert Jahren ist es zu einer weltberühmten, von allen geliebten Institution geworden.

Fast alle Markenzeichen des Wiener Kaffeehauses, die sich in den letzten drei Jahrhunderten herausgebildet haben, sind auch heute noch typisch.

Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es in Wien das erste Zeitungscafè, das Kramersche Kaffeehaus, in dem sich die Intellektuellen der Zeit trafen und Zeitungen und Zeitschriften verschlangen, um anschließend über die verschiedenen Artikel zu diskutieren.

Wenn man bedenkt, daß es im Cafè Central Ende des vorigen Jahrhunderts ein eigenes Buch gab, in dem alle im Lokal verfügbaren Zeitungen – –der 200 – eingetragen waren, kann man sich vorstellen, wie wichtig die „Gazetten und Nachrichtenblätter“ waren.

Sie sind es auch heute noch – in Wien gibt es hunderte Kaffeehäuser, in denen man Tageszeitungen und die wichtigen Journale lesen kann, bei dem sprichwörtlichen kleinen Braunen mit dem Glas Wasser.

Schon im 18. Jahrhundert kristallisierten sich in Wien regelrechte Kaffeehauszentren heraus: in der Inneren Stadt, in der Leopoldstadt, rund um die Schlagbrücke. Am

Graben machte der findige Italiener Taroni sein „Taroni“ auf, das bald zu einem Treffpunkt der vornehmen Leute wurde. Am Kohlmarkt tummelte sich die Prominenz beim Milani, im Hugelmann in der Leopoldstadt trafen sich die Billardspieler und im Ignaz Neuners Silbernem versammelten sich die Literaten wie Grillparzer, Castelli, Anastsius Grün, Lenau oder Bauernfeld – das erste Literatencafè war geboren. Als das Silberne zusperren mußte, wurde das Griensteidl zum Nabel der Kaffeehauskultur in Wien – Schnitzler, Hoffmannsthal, Bahr, Kraus waren Stammgäste.

Im 19. Jahrhundert wurden Luxuscafès gebaut, riesige Hallen mit herrlichen Stuckdecken, Springbrunnen, versilberten Spiegeln und Marmortischen, Plüschbänke und Bronzekandelaber, Kristallustern und verwirrenden erotischen Genrebildern.

Zu Beginn des zwanzigsten und noch in den letzten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts entstanden die Ringstraßencafès – in der Glanzzeit waren es mehr als dreißig – mit den einladenden Schanigarten, an denen man vorbeiflanierte, sich irgendwo niederließ, plauderte, manchmal auch Geschäfte machte und es sich im übrigen recht gut gehen ließ.

Neben diesen eleganten Cafès blühten sie Aussichtslokale in der Vorstadt und im Prater, in den man an den Wochenenden in Scharen strömte, um sich bei Kaffee und Mehlspeise zu laben oder den diversen Konzerten zuzuhören.

Auch das Konzertcafè ist nämlich eine typische Wiener Institution: große Namen wie Johann Strauß Vater und Sohn, Michael Zierer oder Joseph Lanner sind damit verbunden. Und selbst der berühmte Beethoven spielte einmal in einem Konzertcafè auf.

Alles das gibt es heute noch – oder heute schon wieder. Das Wiener Kaffeehaus hat seine Tradition bewahrt. Trotz der Schwierigkeiten, die nach dem Krieg zu meistern waren, ist das Kaffeehaus lebendiger, jünger und attraktiver den je. Vor allem für die Jungen: eine Umfrage hat ergeben, daß die Zwanzig- bis Dreißigjährigen die eifrigsten Kaffeehausgeher sind, und daß sie am Kaffeehaus schätzen, was seit Jahrhunderten schon typisch für diese Institution ist: die Ruhe, die Behaglichkeit, die persönliche Ansprache, das Gefühl jederzeit Freunde treffen zu können. Mit einem Wort: sich wohl fühlen! Ob im „traditionellen Innenstadtkaffeehaus“, im Cafè-Restaurant, im Espresso, im Vorstadttschecherl oder in einer süßen Cafè-Konditorei – Kaffeehaus ist überall!

Schani trag`den Garten außi

 

 
Am Graben. Ein lauer Frühlingsabend, Es beginnt zu dämmern. Die Konturen der gegenüberliegenden Palais werden trotzdem deutlicher. Die Menschen hasten nicht mehr vorbei, die meisten schlendern, schauen in die Auslagen, plaudern miteinander.

Die Cafès mit ihren Schanigarten sind voll. Du sitzt bei einem Eiscafè, seit zwei Stunden schon bist du da, mit Freunden. Es ist einer der ersten Abende, die man im Freien verbringen kann.

Müßiggang in der Großstadt. Sich treiben lassen, flanieren, sich dann und wann hinsetzen, den Vorübergehenden zuschauen, die Menschen beobachten und den Mädchen nachblicken, träumen.

Wer im Spätfrühling oder im Sommer durch die Innenstadt geht, wird dieses Bild bestätigt finden. An allen Ecken und Enden, an den meisten Plätzen laden Schanigärten zum Verweilen ein. Einfache Tische und Stühle, ein paar Sonnenschirme und die Blumenkästen, die als Abgrenzung dienen – damit der Schanigarten auch wirklich ein Garten ist.

Der Schanigarten ist eine typische Errungenschaft des Wiener Kaffeehauses. Und fast ebenso alt wie das Kaffeehaus selbst. Bereits im 18. Jahrhundert hat der Kaffeesieder Giovanni Taroni Tische und Stühle vor sein Cafè am Graben gestellt, um dem Gästen die Möglichkeit zu geben, ihren Kaffee oder ihre Getränke im Freien einzunehmen. Die Einführung Taronis war ein voller Erfolg. Innerhalb von wenigen Jahren ahmten die meisten Kaffeesieder den „Garten“ ihrer Kollegen nach.

Ein anderer Italiener, Giovanni Milani, hat 1789 auf der Burgbastei sein „Limonadenzelt“ aufgemacht. Ein Sommercafè, ganz einfach eingerichtet um das er im Halbkreis Tische und Sessel gruppierte. Das Kaffeehaus war stets gerammelt voll. Ja die Leute mußten meistens warten und ein paar Runden drehen, bevor sie einen Platz erwischen konnten.

Später kamen dann die Pratercafès in Mode – dort traf sich die elegante Welt Wiens, dort lustwandelten die adeligen Herren mit den weniger adeligen Damen, dort spielten die Musiker auf. Im Volksgarten und im Paradiesgärtchen in der Innenstadt machte der Italiener Corti zwei elegante Sommercafès auf – die Wiener wollten „in der heißen Zeit“ ihren Kaffee im Freien trinken.

Daran hat sich bis heute nichts geändert – im Gegenteil, immer mehr Kaffeesieder machen Schanigärten auf. In den letzten Jahren wurden – vor allem im 1. Bezirk – einige Fußgängerzonen eingerichtet. Für die Cafètiers war das ein Segen: Jetzt konnten sie auf die Straße gehen.

Woher der Name „Schanigarten“ kommt, ist bis heute nicht ganz geklärt. Das macht auch nichts, denn es gibt eine glaubwürdige Erklärung, besser gesagt eine Anekdote: Schani ist die Verballhornung von Jean, also Hans. Der Schani war und ist dieser Lehrling, der für die Kellner und den Ober die Hilfsdienste zu verrichten hat. Und irgendwann hat ein Kellner einmal zu seinem Lehrling gesagt: „Schani, trag den Garten außi“. Und der Schani trug den Garten, respektive die Sessel, Tische und Blumenkisten hinaus, gruppierte das Ganze – der Schanigarten war fertig.

Viele Kaffeesieder machen es heute noch so: Am Abend werden die Tische und Stühle aufeinander gestapelt, die Blumenkästen ins Lokal getragen. Am nächsten Tag – in aller Früh – wird der Garten dann wieder „aufgebaut“. Und die ersten Gäste können schon kommen.